Mythische Gegenstände der Nordischen Götter

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Thor mit seinem magischen Hammer, Mjölnir (von Mårten Eskil Winge, 1872).

Andvaranaut

Andvaranaut ist in der nordischen Mythologie ein Goldring, das berühmteste Stück aus Andvaris Schatz. Der Ring hat die Fähigkeit, Gold zu mehren, doch liegt auf ihm ein Fluch, jedem den Tod zu bringen, der ihn erwirbt.

In der Lieder-Edda und in der Snorra Edda wird die Geschichte des Rings fast übereinstimmend geschildert, und zwar so: Die drei Asen (Götter) Odin, Loki und Hönir gehen über die Welt. Als sie hungrig werden, erschlägt Loki einen Fischotter; sie gehen zu einem Bauern, Hreidmar, um Nachtquartier und um den Otter zuzubereiten. Hreidmar erkennt in dem Erschlagenen seinen Sohn Otr (das heißt „Otter“), der nicht nur diesen Namen trug, sondern auch die magische Fähigkeit besaß, sich in einen Fischotter zu verwandeln, und in dieser Gestalt Fische in einem Wasserfall fing. Hreidmar und seine beiden anderen Söhne, Fafnir und Reginn, fordern von den Göttern Totschlagsbuße für Otr. Die Götter haben kein Gold; Loki muss es ihnen verschaffen, indem er einen Zwerg namens Andvari fängt, der einen großen Schatz besitzt und im Wasser als Fisch lebt. Loki verlangt von Andvari als Lösegeld den Schatz und als letztes Stück eben auch den Ring, den Andvari behalten wollte, um den Schatz wieder vermehren zu können. Da verflucht Andvari seinen Ring: Er solle zwei Brüdern den Tod und acht Fürsten Fehde (das heißt ebenfalls: den Tod) bringen und niemandem von Nutzen sein. Loki gibt den Schatz mitsamt dem Ring weiter an Odin, dieser an Hreidmar als Wergeld für dessen erschlagenen Sohn Otr. Hreidmar wird von seinem Sohn Fafnir erschlagen, da er das Wergeld nicht teilen will. Fafnir verwandelt sich in einen Lindwurm und legt sich auf das Gold, um den Schatz, und auch den Ring, besser bewachen zu können. Reginn, der Bruder Fafnirs, von diesem ebenfalls um seinen Anteil am Gold betrogen, sieht in dem jungen Sigurd, seinem Ziehsohn, eine Chance, Fafnir den Schatz abzunehmen. Sigurd schafft es tatsächlich, den Drachen Fafnir zu töten, und gelangt so in den Besitz des Ringes, des Schatzes und des Oegishelms. Reginn will aber Sigurd töten und alles für sich haben. Durch Vögel gewarnt (durch den Genuss des Drachenblutes versteht Sigurd die Vogelsprache) kommt Sigurd ihm zuvor und erschlägt Reginn. Die Snorra Edda fügt noch hinzu, dass Sigurd den Ring als Liebespfand schließlich Brynhild weitergibt; er nimmt ihr ihn wieder, als er in Gestalt Gunnars um Brynhild wirbt, und schenkt ihn seiner Frau Gudrun. Im Streit mit Brynhild dient ihr der Ring als Beweismittel.

Das Motiv des Rings zieht sich noch durch mehrere deutsche Sagen. Im Nibelungenlied und in der Thidrekssaga spielt er nur im Hintergrund eine Rolle; dagegen machte Richard Wagner in seinem Opernzyklus Der Ring des Nibelungen aus ihm ein zentrales Motiv.

Brisingamen

Heimdall übergibt Freyja das Brisingamen.

Das Brisingamen ist der Halsschmuck der germanischen Göttin Freya. Er soll aus durchbohrten Gelenken geschlungen gewesen sein. Freya bekam ihn von vier Zwergen. Loki raubte den Schmuck, dieser wurde ihm aber von Heimdall wieder abgenommen. Über das Brisingamen ist wenig bekannt. Freya zeigte es nie dem Menschengeschlecht. Allerdings gibt es zahlreiche Nachbildungen, die von Archäologen gefunden wurden. Das Brisingamen verstärkte Freyas Zauberkräfte und war ein wichtiger Gegenstand in ihrer Magie.

Als vormalige Besitzer des Brisingamen werden die Brisinger (Bristlinger) genannt, deren Identität unklar ist. Dieses kostbare Halsband wurde von den vier Zwergen (Dvergr) Alfrigg, Dvalin, Grerr und Berlingr geschmiedet. Um an Brisingamen zu gelangen, musste Freyja mit jedem dieser Zwerge eine Nacht verbringen. Dies missfiel Odin, der die Liebesgöttin zwang, in der Menschenwelt für Krieg zu sorgen. Dies ist vielleicht ein Hinweis auf die leidenschaftliche Seite der Liebe, wo Glück und Trauer nahe beisammenliegen – ohne Liebe kein Hass. Im Auftrag Odins raubte Loki der Freyja diesen Halsschmuck; Loki heißt darum bei Dichtern auch „Brîsîngs Þiofr“. Brisingamen wird mit der Regenbogenbrücke Bifröst in Verbindung gebracht, dem Verbindungsweg von Himmel und Erde. An Freyjas Hals wurde Brisingamen zu einem Symbol der Früchte des Himmels und der Erde. Freyja bescherte die Erde mit Schätzen, wann immer sie weinte. Wenn ihre Tränen auf Felsen auftrafen, verwandelten die sich in Gold; fielen sie ins Wasser, so wurden sie zu Bernstein. Der Brisingamen ging später in den Besitz der beiden Harlungen-Brüder Edgar und Ake, Söhne des Herzogs Ake Harlungertrost, die nach der einen Lesart von Odin selbst, nach anderer Überlieferung von ihrem Onkel Ermanarich unter anderem dieses Besitzes wegen ermordet wurden.

Markanten Bodenerhebungen, wie zum Beispiel dem Harlunger Berg in Brandenburg an der Havel, schreibt die Sage laut dem Brandenburger Historiker Otto Tschirch zu, das Brisingamen sei in ihnen deponiert worden.

Der Brisingamen hat verwandte Vorläufer im Halsschmuck der Harmonia, einer Tochter der Aphrodite, den Hephaistos schmiedete und auch der Halsschmuck der Dolmengöttin dürfte ein Pendant darstellen.

Draupnir

Draupnir ist in der nordischen Mythologie der Zauberring Odins, von dem in jeder neunten Nacht acht gleich schwere Ringe abtropfen. Der Zwerg Sindri schuf ihn gemeinsam mit seinem Bruder Brokkr. Der Ring wurde von den beiden zusammen mit dem goldenen Eber Freyrs, Gullinborsti, und dem Hammer Thors, Mjölnir, geschmiedet anlässlich einer Wette Lokis mit den Zwergen, die in der jüngeren Edda im Skáldskaparmál beschrieben ist.

Draupnir ist ein Symbol für Reichtum und Überfluss, aber auch für wiederkehrende Fruchtbarkeit. Odin warf den Ring in das Bestattungsfeuer seines Sohnes Balder, Hermod brachte den Ring wieder von seiner Unterweltreise zur Hel zurück.

Gjallarhorn

Gjallarhorn ist das Horn des Gottes Heimdall in der germanischen Mythologie, beziehungsweise in den mythologischen Schriften der altwestnordischen Edda.

Die Darstellung des Gjallarhorn in der Funktion und Nutzung schwankt bei Snorri Sturluson (Gylfaginning) zwischen dem Signalhorn, das die Götter Asgards ruft (Gylf. 26; 50) und dem Gebrauch als Trinkhorn (Gylf. 14). In der Grímnismál (Strophe 13) wird ebenfalls die Nutzung als Trinkhorn beschrieben. Rudolf Simek vergleicht die Darstellung als eine aus der germanischen Alltagskultur entnommenen Plot, den er zur Funktion des Olifant, dem Horn des Sagenhelden Roland, stellt (siehe Rolandslied).

Gleipnir

Gleipnir ist in der nordischen Mythologie ein besonderer magischer Faden, der von Zwergen gefertigt wurde, um den Fenriswolf an einen Felsen zu ketten. Schon vorher hatten die Götter versucht ihn zu fesseln, Fenris zerriss aber die vorherigen Seile. Hergestellt wurde er laut der Überlieferung aus Dingen, die es seither nicht mehr gibt: dem Geräusch des Tritts der Katzen, den Bärten der Frauen, den Sehnen der Bären (vermutlich sind hiermit allerdings nicht die Sehnen, sondern die Nerven, bzw. die Schmerzempfindung, der Bären gemeint), den Wurzeln der Berge, dem Atem der Fische und dem Speichel der Vögel. Der Fenriswolf ließ sich das Seil erst umlegen, als Tyr ihm seine Hand ins Maul legte. Befreien kann sich der Fenriswolf erst zu Ragnarök, wenn er gegen Odin in den Kampf zieht und ihn tötet.

Gram

Sigurd prüft das Schwert Gram.

Gram ist in der nordischen/germanischen Mythologie das Schwert von Sigurd (Siegfried), dem Drachentöter. Im Nibelungenlied hat Siegfrieds Schwert eine gänzlich andere Vorgeschichte und heißt Balmung.

Die Sage berichtet, dass Odin im Apfelbaum in der Halle von Sigmund, Sigurds Vater, ein Schwert platziert hatte mit dem Hinweis, nur der, für den es bestimmt sei, könne es herausziehen. Sigmund gelingt es, das Schwert aus dem Apfelbaum zu ziehen. Sehr zu Sigmunds Leidwesen entzieht ihm Odin in der Schlacht gegen Hundings Söhne seine Gunst und zerstört persönlich Sigmunds Klinge. Bevor Sigmund nach Walhall gelangt, beauftragt er seine Frau Hjördis, die Trümmer des Schwertes für ihren ungeborenen Sohn Sigurd aufzubewahren. Sigurd schmiedet mit Reginns Hilfe aus den Trümmern ein neues Schwert und nennt es „Gram“.

Mit Gram rächt er erst seinen Vater und besiegt dann den Drachen Fafnir sowie den hinterhältigen Reginn. Nach seinem Tod nimmt Högni (Hagen) die Waffe an sich und führt sie auch in der letzten Schlacht der Burgunden an Atlis Hof (Etzel im Nibelungenlied und historisch Attila zugeordnet). In manchen Erzählungen bekommt Hildebrand das Schwert, in anderen verschwindet es an diesem Punkt aus der Handlung.

Gungnir

Odin auf Sleipnir
Vendelzeitliche Bronzeplatte, auf der vermutlich Odin auf seinem Pferd Sleipnir mit seinen beiden Raben Hugin und Munin und seinem Speer Gungnir dargestellt ist.

Gungnir ist der Name des Speeres von Odin, dem höchsten Gott der nordischen Mythologie. Mit diesem Speer brachte er den Krieg in die Welt, indem er ihn ins Heer der Wanen warf.

Die Söhne des Zwerges Ivaldi stellten Gungnir her und schenkten ihn Odin. Loki war der Überbringer. Der Speer verfehlte nie sein Ziel und kehrte immer zu seinem Besitzer zurück, genau wie Thors Hammer Mjölnir.

 

Hlidskialf

Hliðskialf auch Lidskialf oder Lidskjälf, ist in der nordischen Mythologie der Thron des Hauptgottes Odin beziehungsweise der Ort, an dem sich dieser befindet. Er steht im Götterpalast Valaskjalf in Asgard, der in manchen Darstellungen mit Odins großem Saal Walhall gleichgesetzt wird.

Odin auf dem Hlidskialf.
Odin auf dem Hlidskialf.

Von seinem Thron aus kann Odin alle neun Welten des germanischen Weltbildes überblicken, was als Fähigkeit, alles sehen und alles hören (erlauschen) zu können, gedeutet wird. Die Vorstellung einer Allwissenheit für die oberste Gottheit ist in der Mythologie nicht unüblich. Bemerkenswert ist aber, dass diese göttliche Fähigkeit strikt ortsgebunden gedacht ist. Da Odin auch Loki von seinem Thron aus nicht sucht, aber doch entdeckt, erscheint diese Gabe zudem auch auf andere Gottheiten anwendbar. Selten, etwa in der Grimnismál, wird auch berichtet, dass die Göttin Frigg neben Odin sitze. Auch Freyr besteigt in der Skírnismál kurzfristig den Thron.

„[…] da ist ferner ein großer Saal, der Walaskialf heißt: das ist Odins Saal. […] In diesem Saal ist der Hochsitz, der Hlidskialf heißt, und wenn Allvater [das ist Odin] auf diesem Hochsitz sitzt, so übersieht er die ganze Welt.“

Ringhorn

Ringhorn ist in der nordischen Mythologie das Schiff des Balder.

Auf dem Schiff Ringhorn wurde der Leichnam Balders bestattet. Es war das größte der Schiffe und so schwer, dass allein die JötinHyrrokkin es in die See zu stoßen vermochte.

Megingiard

Der Megingiard ist in der nordischen Mythologie der kraftverleihende Gürtel des Gottes Thor (Þórr). Nach Kapitel 21, Gylfaginning, aus der Prosa-Edda von Snorri Sturluson, besitzt Thor drei attributive Ausrüstungsgegenstände, oder Kleinode, neben dem bekannten Hammer Mjölnir und dem Handschuh Járngreipr, den Megingiard. Der Gürtel verlieh seinem Träger unerschöpfliche Kraft. So war es Thor gewohnt, seine Stärke dadurch zu demonstrieren, indem er Gegenstände von hohem Gewicht anhob.

„Hann á ok þrjá kostgripi. Einn þeira er hamarrinn Mjöllnir, er hrímþursar ok bergrisar kenna, þá er hann kemr á loft, ok er þat eigi undarligt. Hann hefir lamit margan haus á feðrum eða frændum þeira. Annan grip á hann beztan, megingjarðar, ok er hann spennir þeim um sik, þá vex honum ásmegin hálfu. Inn þriðja hlut á hann, þann er mikill gripr er í. Þat eru járnglófar. Þeira má hann eigi missa við hamarskaftit. En engi er svá fróðr, at telja kunni öll stórvirki hans, en segja kann ek þér svá mörg tíðendi frá honum, at dveljast munu stundirnar, áðr en sagt er allt, þat er ek veit.“
„Er besitzt drei Kleinode, den Hammer Mjölnir, den Hrimthursen und Bergriesen kennen, wenn er geworfen wird; was nicht überrascht, ist, dass er vielen Vätern oder Freunden damit den Kopf zerschlagen hat. Sein zweites Kleinod ist Megingiard; wenn er sich den umschnallt, wächst ihm doppelte Asen-Kraft. Das dritte Kleinod von großem Wert ist Járnglófar; denn den kann er nicht missen, um den Stiel des Hammers zu fassen. Keiner ist so klug, dass er alle seine großen Taten zu erzählen weiß. Ich könnte so manche Nachricht von ihm berichten, dass der Tag vergeht, bis ich alles gesagt habe, was ich weiß.“

Mjölnir

Mjölnir, Mjöllnir, Mjolnir, Mjölner, Mjølner oder Mjölnar (Bedeutung umstritten, womöglich „Malmer“, „Blitz“ oder „glänzende Blitzwaffe“) heißt in der germanischen Mythologie ein Kriegshammer, die magische Waffe des Gottes Thor, mit der dieser die Feinde der Götter, vor allem die Thursen (Riesen) und die Midgardschlange, bekämpfte.

Snorri Sturluson berichtet in seiner Snorra-Edda (in den Skáldskaparmál) von der Erschaffung des Hammers. Mjölnir wurde von den beiden Zwergen Sindri und Brokk geschmiedet und besitzt die Eigenschaft, dass er, wenn er geworfen wird, nie sein Ziel verfehlt und wieder in die Hand des Werfers zurückkehrt (Vgl.Gungnir).

Die þrymskviða, ein Lied der Älteren Edda, erzählt vom Diebstahl des Hammers durch den Riesen Thrym (an. þrymr „Lärm“). Im Tausch gegen das für die Götter unverzichtbare Utensil fordert der Riese die Göttin Freyja als Braut. Da diese den Handel rundheraus ablehnt, werden Thor und Loki mit Frauenkleidern als Braut und Brautjungfer getarnt ins Reich der Riesen geschickt. Fast entdecken die Riesen den Betrug, da Thor viel zu schnell beinahe alles hinunterschlingt, was als Festmahl gereicht wird. Doch Loki behauptet geistesgegenwärtig, die Braut hätte sehr lange gefastet und deswegen so großen Appetit. Auf diese Weise gelingt es, Thrym zu überlisten, bis der „Braut“ nach altem Brauch der Hammer als Zeichen der Segnung in den Schoß gelegt wird. Wieder im Besitz seiner Wunderwaffe erschlägt Thor den Riesen und seine Sippe und kehrt siegreich nach Asgard zurück.

Mjölnir war zugleich auch das Symbol für Thor und wurde als Amulett um den Hals getragen (siehe Bild). Eiserne Thorshämmer an eisernen Halsreifen fand man in Brandgräbern des 9. und 10. Jahrhunderts, hauptsächlich im Gebiet der Svea, in Mittelschweden, auf Åland und in Russland. Etwa 50 silberne Thorshämmer kennt man aus Schatz-, Grab- oder Siedlungsfunden. Sie konzentrieren sich auf Süd- und Mittelskandinavien und Island. Sie können in das 10. und auf Gotland bis ans Ende des Jahrhunderts datiert werden. Einige Funde stammen aus Polen und England, von denen einige aus Bernstein bestehen. Es gibt viele verschiedene Formen von Hammer-Amuletten, z. B. den Schonenhammer. Aus der Übergangszeit zwischen heidnischem und christlichem Glauben in Skandinavien wurden Amulette gefunden, die möglicherweise eine Reaktion auf das christliche Kreuz darstellen könnten. Tatsächlich sind die Funde mehrheitlich in Gräbern weiblicher Personen festgestellt worden und stehen unter Umständen eher mit Fruchtbarkeitsriten und Eheweihungen in Verbindung. Eine weitere gleichsinnige Verwendung ist die des Thorhammers auf einigen Runensteinen in Dänemark und Schweden in der Übergangszeit.

Thorshammer Schmuck
Thorshammer als neuzeitlicher Schmuck.
Vulkan Uwe H. Friese, Bremerhaven, 100 2613thorshammer weisser hintergrund, CC BY-SA 3.0

Der Runen-Thorshammer von Købelev, 2014 gefunden bei Købelev auf der dänischen Insel Lolland, ist der bisher einzige mit einer Runeninschrift. Diese bestätigt erstmals den Gegenstand als Hammer. Lis Imer, Kuratorin am Dänischen Nationalmuseum, versteht H M A R x I S als eine fehlerhafte Schreibung von hamar is, „Hammer ist“, wobei das x ein Worttrenner sei, und ordnet die Inschrift einem wenig schreibkundigen Menschen zu. Näher betrachtet, stellen wir jedoch fest, dass die R-Rune durch Auslassung (links) und Ergänzung (rechts) übergroß in die Mitte rückt, womit sich die Runenfolge um den Angelpunkt R dreht. Der Runenname *raiðo beschreibt die ‚Ausfahrt’ und im Nordischen speziell, mit dem Ausdruck þunorrad, Thors (Þunors) Ausfahrt mit seinem gewappneten Wagen über die Wolken. So wie der geschleuderte Hammer Mjölnir Blitze erzeugt, so verursacht die Ausfahrt dumpfes Grollen bis zum Donnerschlag.

Wenn die Inschrift runenmagisch konzipiert ist, dann ist auch eine numerische Absicht denkbar: Der Runenwert von R ist 5 (nach ihrem Platz in der Runenreihe); der Runenwert der Inschrift beträgt 50, wobei das Zehnfache stets eine Potenzierung der Kraft bedeutet. Wenn die Rune R (ähnlich wie auf dem Runenkästchen von Auzon) Schutz beim Ausritt in den Kampf – vielleicht sogar Thors Beistand – bewirken soll, dann würde diese Formel entsprechend bekräftigt.

Wie Becker darlegt, kann man auch in der Folge der Runenbegriffe eine Schicksal lenkende magische Formel vermuten. Diese beginnt mit H (Unglück) und wendet sich über R mit I und S zu Tod und Auferstehung nach Walhall, wozu der Valknut, der sich auf diesem Thorshammer ebenso wie auf vielen anderen findet, sinnvoll in Verbindung steht.

Heutzutage werden solche Hammer-Amulette in verschiedensten Formen als originalgetreue Replik historischen Vorbildern nachempfunden oder als fantasievolle Neuschöpfung angeboten. Sie werden oftmals von Anhängern des Asatru (germanisches Neuheidentum) ebenfalls als Zeichen ihres Glaubens getragen. In der Metalszene wird dieses Symbol hauptsächlich von Anhängern der Musikrichtungen Pagan Metal und Viking Metal getragen und gilt dort als ein positives Symbol innerer Stärke und Tatkraft und als Zeichen der Verbundenheit untereinander. Beliebt ist der Thorshammer außerdem bei Angehörigen der „Schwarzen Szene“ und traditionell bei Rockern (Bikern). Zahlreiche Menschen, insbesondere in Skandinavien und Norddeutschland, tragen Thorshämmer allerdings auch als reinen Schmuck ohne religiösen oder ideologischen Symbolgehalt, abgesehen von einer Verbundenheit mit nordischer bzw. skandinavischer Kultur und Geschichte und Interesse an der Wikingerzeit.

Naglfar

Naglfar ist in der Nordischen Mythologie das Totenschiff. Es wird als das größte Schiff aller Zeiten beschrieben und gehört dem Muspell.

Naglfar wird vor allem im Zusammenhang mit dem Weltuntergang Ragnarök erwähnt. Flottgemacht durch die Überschwemmungen der Midgardschlange führt es dann die Feinde der Götter zur letzten großen Schlacht heran. Je nach Quelle steht entweder der Riese Hrymir (nach der Gylfaginning) oder der verstoßene Ase Loki (nach der Völuspá) am Steuer.

Naglfar wird aus den unbeschnittenen Nägeln der Toten gezimmert. Schon Snorri Sturluson erwähnt in der Gylfaginning den Brauch, den Toten die Nägel zu schneiden, um so die Fertigstellung des Schiffs und damit indirekt Ragnarök selbst hinauszuzögern. Die Brüder Grimm greifen diesen Gedanken in ihrer Deutschen Mythologie auf, interpretieren ihn aber stärker hinsichtlich der weiten Ferne des Weltuntergangs:

Dadurch soll die ungeheure Ferne und das langsame Zustandekommen des Weltendes ausgedrückt sein: Bis ein solches Schiff aus schmalen Nägelschnitzen der Leichen zusammengesetzt wird, verstreicht lange lange Zeit, und sie leidet noch durch die warnende Vorschrift Aufschub, allen Toten die Nägel vor der Bestattung oder Verbrennung zu schneiden.

Der Name Naglfar war vermutlich schon zu Snorris Zeiten volksetymologisch aus dem altnordischen nagli für ‚Nagel‘ und far für ‚Fahrzeug‘, ‚Schiff‘ abgeleitet und als „Nagelschiff“ interpretiert worden. Wahrscheinlicher ist aber eine Herleitung in der Bedeutung „Totenschiff“, wobei das erste Glied der Zusammensetzung etymologisch zu gotisch naus ‚tot‘ und altgriechisch nékus ‚Leiche‘ zu stellen wäre.

Óðrœrir

Der Skaldenmet ist ein Mythos aus der nordischen Mythologie. Er ist der Honigwein, nach dessen Genuss ein jeder gut singen und dichten kann.

Am ausführlichsten finden sich Quellen über den Skaldenmet in den Werken von Snorri Sturluson, etwas abweichend in jenen Dichtungen der Hávamál und schließlich in einer Reihe von Kenningar, die sich auf die wesentlichsten Inhalte des Mythos beziehen. Auch in den Skaldendichtungen bezeugt der Skaldenmet seine Beliebtheit. Daneben gibt es bildliche Darstellungen einiger gotländischer Bildhauer aus dem 7. Jahrhundert.

Die Bekanntheit dieses Mythos ist in Europa für über 500 Jahre belegt, lässt sich jedoch global gesehen wesentlich weiter zurückverfolgen. Wir treffen auf das Getränk Soma und den Gott Indra in der indischen Mythologie der Rigveda, die wesentliche Gemeinsamkeiten mit diesem Mythos aufweist. Die Verwandtschaft dieses Mythos mit der griechischen Mythologie ist jedoch eher Zufall.

Skaldenmet nach Snorri Sturluson

Nach dem Krieg (Wanenkrieg) zwischen den beiden Göttervölkern, den Wanen und den Asen, spieen alle Götter zur Friedensbesiegelung in ein Fass. In der Bronzezeit war bei verschiedenen Völkern die Speichelbeimengung von Friedensgetränken ein fester Bestandteil. Das Gleiche gilt für den gemeinschaftlichen Genuss von Rauschtränken bei Zeremonien, Bundes- und Friedensabschlüssen. Aus diesem Speichel wurde ein außerordentlich weises Wesen namens Kvasir geboren. Dieses wurde von den beiden Schwarzalben Fjallarr und Galarr ermordet und sein Blut in einem mächtigen und zwei kleinen Kesseln aufgefangen. Aus dem Blut brauten sie unter Beimischung von Honig einen Met, durch dessen Genuss jeder zum Dichter werden konnte.

In der zweiten Episode der Geschichte töteten die beiden Zwerge den Riesen Gillingr und dessen Frau, wurden aber vom Sohn des Riesen, Suttungr, gefasst und konnten ihr Leben nur retten, indem sie ihm den Met anboten. Suttungr nahm das Angebot an und bewahrte den Skaldenmet im Berg Hnitbjörg auf, wo ihn seine Tochter Gunnlöð bewachte.

Um an den Skaldenmet zu kommen, zog Odin, der als Gott der Dichtkunst und als Verwalter des Mets angesehen wurde, aus und traf auf die Knechte des Riesen Baugi. Mit List brachte er sie dazu, einander zu töten, und arbeitete dann selbst als Mäher unter anderem Namen bei ihm. Er ersetzte in seiner Tätigkeit neun Knechte, und als Lohn dafür sollte er einen Schluck des Skaldenmets erhalten. Baugi lief darauf mit seinem Knecht zu seinem Bruder Suttungr, dieser aber weigerte sich, ihm auch nur einen Tropfen zu geben.

Odin veranlasste Baugi, mit einem Bohrer ein Loch in den Berg Hnitbjörg zu bohren, durch das Odin in Schlangengestalt schlüpfte. Nachdem er drei Nächte mit der Riesentochter Gunnlöð verbracht hatte, gab sie ihm zum Dank drei Schluck des Mets. Daraufhin verwandelte sich Odin in einen Adler und flog nach Asgard. Dort spie er den Met in die Schüsseln der Asen.

Skaldenmet nach den Hávamál (104 – 110)

Diese Erzählung scheint auf den ersten Blick die gleiche wie die von Snorri, nur in einigen Punkten weicht sie davon ab:

  • Nach dem Raub des Skaldenmets durch Odin, der in dieser Dichtung weder in Schlangen- noch in Adlergestalt auftritt, veranstalteten die Reifriesen eine Suche nach dem Metkessel.
  • Der Riese heißt hier nicht Suttungr, sondern gleich wie bei Snorri das Fass des Mets, nämlich Óðrœrir.
  • Hnitbjörg kommt in der Dichtung gar nicht vor.
  • Odin hat sich bei der Gunnlöð, die hier die Tochter eines anderen (nämlich von Fjallarr) ist, betrunken.

Skaldenmet nach der Kenningar

Die meisten Details von Snorris Erzählungen bestätigen sich durch alte Kenningar. Nämlich:

  • Kvasirs Blut
  • Gillingrs Ermordung
  • Trank der Zwerge
  • Die im Berg verborgene Flut der Zwerge
  • Odins Diebstahl
  • Saat des Adlerschnabels

Skidbladnir

Skidbladnir  ist das Schiff des Gottes Freyr aus der nordischen Mythologie. Es wurde vom Zwerg Dvalin und seinen Brüdern im Auftrag des Gottes Loki gebaut.

Das Schiff war groß genug, um alle Götter aus Asgard transportieren zu können. Aufgrund seiner besonderen Bauweise ließ es sich sehr klein falten und so in einem Beutel mitführen. Außerdem hatte es immer günstigen Wind, egal in welcher Richtung man segeln wollte.

Tyrfing

Tyrfing ist der Name eines magischen Schwertes in der Nordischen Mythologie. Die ursprünglich wohl aus Schweden stammende Sage des Schwertes Tyrfing ist überliefert in der isländischen Hervarar-Saga und den darin eingebetteten vier Liedern: Hjalmars Sterbelied, Hervörlied (Hervararkviða), Heidreksrätsel (Heiðreks gátur bzw. Gátur Gestumblinda) und Hunnenschlachtlied (Hlöðskviða), die auch zu den Eddica minora (den Liedern der Lieder-Edda, die nicht im Codex Regius stehen), gezählt werden.

Svafrlami (oder auch Sigrlami) ist König von Gardarike und Enkel von Odin. Ihm gelingt es, die Zwerge Dvalinn und Durinn gefangen zu nehmen und zu zwingen, ihm ein Schwert mit goldenem Griff zu schmieden, das sein Ziel nie verfehlen werde, nie rosten und Stein und Metall so leicht wie Kleidung durchschneiden könne. Sie schmieden das Schwert, verfluchen es aber: Es solle dreimal großes Übel seinem Träger bringen.

Svafrlami wird durch den Berserker Arngrim (Arngrímr), der das Schwert an sich nimmt, getötet. Er vererbt es seinem Sohn Angantyr (Angantýr), der mit seinen elf Brüdern auf der Insel Samsø (Sámsey) im Duell mit dem Schweden Hjalmar (Hjálmarr) und dessen norwegischen Bruder Örvar-Odd (dem Held der Örvar-Odds saga) getötet wird. In diesem Kampf geht es um die Gunst von Ingibjörg, der Tochter von Yngvi, dem König der Schweden. Der schwer verwundete Hjalmar stirbt, und Örvar-Odd bringt seinen Leichnam zu Ingibjörg nach Uppsala (Hjalmars Sterbelied, auch »Kampf auf Samsey« genannt). Tyrfing wird mit Angantyr begraben.

Angantyrs Tochter Hervör macht sich, als sie davon erfährt, auf nach Samsø und fordert Tyrfing von ihrem toten Vater (Hervörlied, auch »Erweckung Agantyrs« genannt). Sie heiratete Hofund, mit dem sie zwei Söhne hat: Heidrek (Heiðrek) und Angantýr (Hofundson). Hervör gibt Tyrfing an Angantyr. Bei einem Spaziergang bittet Heidrek darum, das Schwert sehen zu dürfen. Dieses jedoch bringt ihn dazu, seinen Bruder Angantyr zu töten.

Heidrek verlässt sein Land, heiratet die Prinzessin von Reidgotaland und wird Gotenkönig. Auf einer Reise lagert Heidrek in den Karpaten, wo er eines Nachts von acht Leibeigenen ermordet und Tyrfings beraubt wird. Dies ist die letzte der drei bösen Taten Tyrfings, der Fluch ist gebannt. Heidreks Sohn Angantyr (Heidrekson) tötet die Diebe und holt das Schwert zurück.

Angantyr wird der neue König, jedoch verlangt sein bei den Hunnen aufgewachsener Halbbruder Hlöd (Hlöðr), den Heidrek mit der Prinzessin von Húnaland gezeugt hat, die Hälfte des Königreichs. Als Angantyr dies verweigert, kommt es zu einer Völkerschlacht zwischen Goten und Hunnen, bei der die 343 200 Hunnen den Goten zahlenmäßig weit überlegen sind. Die Goten gewinnen diese Schlacht, da Angantyr Tyrfing benutzt und seinen Bruder Hlöd tötet (Hunnenschlachtlied).

In der Hervararsagar ok Heidreks konungs wird Tyrfing als Schwert geschildert, das töten muss, sobald es aus seiner Scheide gezogen wird, denn Dvalins Fluch lautet:„Dieses Schwert wird eines Mannes Mörders, sooft es gezückt wird.[…]“. Das würde den Tod des einen der oben erwähnten Brüder erklären.

Snorri Sturluson erwähnt Tyrfing in seiner Edda als Umschreibung (kenning) für Schwert.

Dieser Artikel basiert auf den Artikeln Andvaranaut, Brisingamen, Draupnir, Gjallarhorn_(Mythologie), Gleipnir, Gram_(Schwert), Gungnir, Hlidskialf, Ringhorn, Megingiard, Mjölnir, NaglfarSkaldenmetSkidbladnirTyrfing aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.